DGB-Ausbildungsreport 2026: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich mental belastet
Für den Ausbildungsreport 2026 befragte der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB 13.227 Auszubildende in den 25 meistfrequentierten Ausbildungsberufen zur Qualität ihrer Ausbildung und der Berufsschule sowie ihrer mentalen Situation. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Ergebnisse vor.
Ergebnisse zur Ausbildungsqualität
Die Bewertung der Ausbildungsqualität ist stark abhängig vom Beruf und der Branche. Die Verteilung der Berufe im Ranking der Gesamtbewertung ist über die Jahre hinweg sehr konstant. Sowohl auf den Spitzenrängen als auch im hinteren Bereich finden sich häufig die gleichen Berufe wieder.
Auf den Spitzenplätzen bei der Ausbildungsqualität stehen die Berufe Industriemechaniker (m/w/d), Mechatroniker (m/w/d), Verwaltungsfachangestellter (m/w/d), Bankkaufleute (m/w/d) und Elektroniker für Betriebstechnik (m/w/d). Diese Berufe haben bei der Bewertung der Ausbildungszeiten, der Vergütung, der Einschätzung der fachlichen Qualität der Ausbildung im Betrieb und der persönlichen Beurteilung der Ausbildung jeweils überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Die am wenigsten gut bewerteten Berufe sind Friseur (m/w/d), Zahnmedizinischer Fachangestellter (m/w/d), Koch (m/w/d), Hotelfachleute (m/w/d) sowie Maler und Lackierer (m/w/d).
Nach wie vor gilt der Grundsatz: Je größer der Betrieb, desto höher ist auch die Zufriedenheit der Auszubildenden. Das lässt sich auf die personellen und materiellen Voraussetzungen zurückführen, die eine strukturierte, qualitativ hochwertige Ausbildung ermöglichen.
Ausbildungszufriedenheit
Ein Einbruch ist bei der Ausbildungszufriedenheit festzustellen. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Auszubildenden, die mit ihrer Ausbildung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ sind, um 5,9 Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht mit 65,7 Prozent den niedrigsten jemals im Rahmen des Ausbildungsreports ermittelten Wert.
Überstunden
Regelmäßige Überstunden gehören für etwa ein Drittel der Auszubildenden zum Ausbildungsalltag. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil um gut drei Prozentpunkte gestiegen
Vergütung
23,8 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, von der Ausbildungsvergütung „gar nicht“ selbstständig leben zu können. Nur ein Drittel (34,8 Prozent) meint, „sehr gut“ (5,8 Prozent) oder „gut“ (29 Prozent) von ihrer Ausbildungsvergütung leben zu können. „Weniger gut“ kommen 41,5 Prozent mit ihrer Ausbildungsvergütung zurecht.
Ausbildungsfremde Tätigkeiten
Gestiegen ist auch der Anteil der Auszubildenden, die im Betrieb „immer“ oder „häufig“ ausbildungsfremde Tätigkeiten ableisten müssen. Mit 16,3 Prozent erreicht dieser Wert einen neuen Höchststand.
Ergebnisse zur Qualität der Berufsschule
52,6 Prozent der befragten Auszubildenden bewerteten die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts als „sehr gut“ oder „gut“. Das ist der niedrigste jemals im Rahmen des Ausbildungsreports ermittelte Wert. 30,1 Prozent der Befragten bezeichnen die Unterrichtsqualität lediglich als „befriedigend“ (2025: 29,9 Prozent) und 17,4 Prozent bewerten sie sogar nur mit „ausreichend“ oder „mangelhaft“ (2025: 15,4 Prozent). Damit bleibt die Zufriedenheit der Auszubildenden mit der Berufsschule hinter der betrieblichen Zufriedenheit zurück.
Mehrere Faktoren beeinflussen die Bewertung der fachlichen Qualität des Berufsschulunterrichts. Von großer Bedeutung sind die infrastrukturellen Rahmenbedingungen an den einzelnen Schulen. Eine zeitgemäße Ausstattung mit Unterrichtsmaterial, Schulbüchern und technischen Geräten ist elementar. Außerdem bedarf es einer engen Kooperation und Abstimmung mit den ausbildenden Betrieben, damit das theoretische Wissen eine Relevanz für die berufliche Praxis gewinnt.
Der Einsatz digitaler Technologien im Unterricht ist für die Lehrkräfte mit erheblichen technischen und zeitlichen Belastungen verbunden. Gründe sind zum Beispiel Ausstattungs- und Wartungsprobleme, die Einarbeitung in neue Technologien und das Erschließen von digitalen Bildungsmedien. Deshalb ist laut DGB-Ausbildungsreport eine erhebliche Verbesserung der personellen Ausstattung an beruflichen Schulen notwendig, um die vorhandenen Lehrkräfte zu entlasten.
Schwerpunkt: Mentale Gesundheit von Azubis
In diesem Jahr legte der DGB-Ausbildungsreport seinen Schwerpunkt auf das Thema „Mentale Gesundheit von Auszubildenden“. Die Umfrage zeigt, dass etwa die Hälfte aller Auszubildenden (50,6 Prozent) sich psychisch belastet fühlt. Zurückzuführen ist dies auf eine Vielzahl belastender Faktoren in Beruf und Privatleben, aber auch auf die anhaltendenden gesellschaftlichen und globalen Krisen.
Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel und Verantwortungsdruck stellen für ein Fünftel der Auszubildenden eine (sehr) starke Belastung dar. Auch die Lage der Arbeitszeiten und Schichtdienst (13,1 Prozent) sowie lange Fahrtzeiten (16,5 Prozent) stellen eine erhebliche Belastung dar.
Mehr als die Hälfte der Auszubildenden berichtet von belastenden Bedingungen im Privatleben. Am meisten Sorgen bereitet den Auszubildenden ihre finanzielle Situation und ihre aktuelle Wohnsituation.
Fast die Hälfte der betroffenen Auszubildenden (48,7 Prozent) denkt zudem „immer“ oder „häufig“ über einen Ausbildungsabbruch nach, während es in der Gruppe der Auszubildenden, die sich keinen starken Belastungen ausgesetzt sehen, lediglich 8,6 Prozent sind.
Branchenunterschiede
Zwischen den 25 betrachteten Ausbildungsberufen lassen sich deutliche Unterschiede in der Belastung feststellen. Bei den angehenden Hotelfachleuten (m/w/d) und Zahnmedizinischen Fachangestellten (m/w/d) lag der Anteil hoch belasteter Auszubildender mit 34,5 bzw. 34,2 Prozent etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt der 25 häufigsten Ausbildungsberufe. Dagegen gaben nur 3,3 Prozent der Mechatroniker (m/w/d), 7,9 Prozent der angehenden Industriekaufleute (m/w/d) und 8,1 Prozent der Verwaltungsfachangestellten (m/w/d) an, dass sie die Belastung als hoch empfinden.
Grundsätzlich ist eine hohe Ausbildungsqualität ein zentraler Schlüssel zur Reduzierung psychischer Belastungen in der Ausbildung.
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