Eat the Frog: Schwierige Aufgaben nicht länger aufschieben
Im Schullalltag kann es wiederholt passieren, dass schwierige oder unangenehme Aufgaben aufgeschoben werden, weil man zunächst kleinere und leichter zu erledigende Tätigkeiten bearbeitet. Die andere Aufgabe bleibt dabei bestehen.
Hier setzt die Eat-the-Frog-Methode an. Ihr Grundgedanke ist einfach: Eine besonders wichtige oder unangenehme Aufgabe wird bewusst frühzeitig bearbeitet, bevor sie im weiteren Tagesverlauf immer wieder verschoben wird. Bekannt wurde das Prinzip durch den US-amerikanischen Autor und Coach Brian Tracy, der es in seinem 2001 erschienenen Buch Eat That Frog! ausführlich beschrieb. Tracy griff dabei eine ältere Metapher aus dem 18. Jahrhundert auf: Wer morgens eine Kröte schluckt, dem kann im weiteren Verlauf des Tages nichts Widerlicheres mehr begegnen. Dieses Sinnbild übertrug er auf unangenehme oder schwierige Aufgaben und entwickelte daraus die Eat-the-Frog-Methode. Die heute bekannte englische Fassung lautet: „Eat a live frog first thing in the morning and nothing worse will happen to you the rest of the day.“
Welche Aufgabe hat Froschpotenzial?
Der „Frosch“ ist nicht einfach die größte oder schwierigste Aufgabe auf der To-do-Liste, sondern vor allem eine wichtige Aufgabe, die dazu verleitet, sie aufzuschieben. Das kann an ihrer Schwierigkeit, ihrem Umfang oder daran liegen, dass sie unangenehm ist. Im Schulalltag könnte beispielsweise die Vorbereitung einer besonders anspruchsvollen Unterrichtseinheit ein Frosch sein, aber auch eine umfangreiche Korrektur, die Vorbereitung eines schwierigen Gesprächs oder eine Aufgabe mit nahender Frist.
Bei der Auswahl hilft diese Frage: Welche Aufgabe würde heute wahrscheinlich wieder nach hinten verschoben werden, wenn sie nicht bewusst eingeplant wird? Untersuchungen von Steel (2007) zur Prokrastination zeigen, dass unangenehm wahrgenommene Aufgaben häufiger aufgeschoben werden. Auch Habbert und Schroeder (2020) kommen zu dem Ergebnis, dass Menschen schwierige Aufgaben häufig lieber später erledigen, obwohl es in den untersuchten Situationen für die Selbstwirksamkeit hilfreicher gewesen wäre, die schwierigere Aufgabe zuerst anzugehen.
Zeit für den Frosch
Ist die unangenehme Aufgabe identifiziert, wird ihr ein möglichst störungsfreies Zeitfenster zugewiesen. Das kann am Morgen liegen, muss aber nicht. Entscheidend ist weniger die Uhrzeit als ein Zeitpunkt, an dem ausreichend Konzentration und Zeit zur Verfügung stehen. So kann für einen Frosch beispielsweise ein 60- oder 90-minütiger Arbeitsblock reserviert werden, in der ausschließlich die ausgewählte Aufgabe im Mittelpunkt steht. Bei umfangreichen Aufgaben kann es auch sinnvoll sein, den Frosch in mehrere kleine Schritte aufzuteilen. Statt „Unterrichtseinheit vorbereiten“ könnte der erste Arbeitsschritt beispielsweise darin bestehen, die Lernziele festzulegen. Danach folgen Materialrecherche, Aufgabenstellung und Ausarbeitung. So wird aus einer großen, möglicherweise abschreckenden Aufgabe ein konkreter erster Schritt.
Nicht jeder Frosch muss morgens gegessen werden
Die klassische Variante der Methode legt den Frosch auf den Beginn des Arbeitstages. Für den Schulalltag ist das jedoch nicht immer praktikabel. Unterricht, Konferenzen, Gespräche oder andere feste Termine bestimmen häufig den Tagesablauf. Deshalb kann die Methode flexibler verstanden werden: Der Frosch bekommt den ersten geeigneten konzentrierten Arbeitsblock. Das kann morgens vor dem Unterricht sein, eine Freistunde mit ausreichend Zeit oder ein fest eingeplanter Arbeitsblock am Nachmittag. Wichtig ist dabei, die als unangenehm wahrgenommene Aufgabe nicht gegen jede andere Verpflichtung durchzusetzen. Dringende Aufgaben sollten selbstverständlich Vorrang haben. Die Methode soll nicht dazu führen, dass andere wichtige Aufgaben ignoriert werden.
Was hilft beim Einstieg?
Gerade bei unangenehmen oder umfangreichen Aufgaben kann der erste Schritt die größte Hürde darstellen. Deshalb lohnt es sich, die Aufgabe bereits am Vortag vorzubereiten. Benötigte Unterlagen können bereitgelegt, Dateien geöffnet oder die nächsten Arbeitsschritte notiert werden. Dadurch muss am geplanten Start nicht erst überlegt werden, womit begonnen werden soll.
Eat the Frog – kurz und knapp
Tipp: Große Aufgaben in kleinere Schritte zerlegen und mit einem konkreten ersten Teilziel starten. |
Gut kombinierbar mit anderen Methoden
Die Eat-the-Frog-Methode lässt sich gut mit den anderen Zeitmanagement-Methoden verbinden. Die Eisenhower-Matrix kann dabei helfen, wichtige Aufgaben zu identifizieren. Die 1-3-5-Methode begrenzt anschließend die Anzahl der Aufgaben für den Tag. Mit Timeboxing erhält der ausgewählte Frosch einen festen Platz im Kalender. Die ALPEN-Methode unterstützt dabei, den benötigten Zeitaufwand realistisch einzuschätzen und Puffer einzuplanen. Für die konzentrierte Bearbeitung kann wiederum die Pomodoro-Technik eingesetzt werden.
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