Schulbarometer 2026: Fast jede zweite Lehrkraft ist vom Verhalten ihrer Schüler gestresst

Wir stellen Ihnen die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage unter Lehrkräften aller Schularten und mögliche Lösungsansätze vor.
Lehrerin mit Schülern im Klassenzimmer
Für das Schulbarometer 2026 wurden rund 1500 Lehrkräfte in ganz Deutschland befragt. © iStock / Ridofranz

1. Das Verhalten von Schülerinnen und Schülern fordert Lehrkräfte zunehmend heraus. 

Für 46 % der befragten Lehrkräfte stellt das Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler die größte berufliche Herausforderung dar. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2024 (35 %). Als besonders belastend wird das Sozialverhalten empfunden (25 %). Aber auch mangelnde Motivation, fehlender Lernwille und psychische Probleme fordern sie heraus. Lehrkräfte wünschen sich deshalb in ihren Fortbildungen Unterstützung im Umgang mit psychisch belasteten Schülerinnen und Schülern (47 %), im Unterrichten von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf (33 %) sowie im Verhalten von Schülerinnen und Schülern und in der Klassenführung (25 %). 

Je nach Schulart ist diese Wahrnehmung unterschiedlich stark ausgeprägt: Lehrkräfte an Mittel-, Real- oder Gesamtschulen sowie an Berufsschulen nehmen das Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler deutlich häufiger als belastend wahr als ihre Kolleginnen und Kollegen an Grundschulen oder Gymnasien. 

Empfehlungen des Schulbarometers:

  • Multiprofessionelle Zusammenarbeit stärken: Wenn Lehrkräfte, Schülerschaft und Eltern durch qualifiziertes Personal aus der Schulpsychologie, Psychotherapie, Sonderpädagogik und Sozialarbeit ausreichend unterstützt werden und die Zusammenarbeit in der Schule aktiv gestaltet wird, sind grundlegende Bedingungen für erfolgreiches Lernen gegeben.
  • Qualifizierung sichern: Ein professionelles Klassenmanagement mit Maßnahmen für eine störungsfreie und förderliche Lernumgebung ist eine wichtige Grundlage für den Umgang mit herausforderndem Schülerverhalten. Viele Lehrkräfte fühlen sich diesbezüglich nicht ausreichend ausgebildet.
  • Überfachliche Kompetenzen fördern: Um ihre Potenziale ausschöpfen zu können, müssen Schülerinnen und Schüler neben fachlichen auch überfachliche Kompetenzen entwickeln. Pädagoginnen und Pädagogen können diese Entwicklung in der Schule unterstützen, wenn sie entsprechend aus- und fortgebildet sind. Zusätzlich sollte auf Ebene der Schulverwaltung geprüft werden, inwieweit die Förderung von überfachlichen Fähigkeiten wie Empathie, Kooperation, Selbstregulation oder kritischem Denken in den Lehrplänen hinreichend abgebildet und priorisiert ist.

2. Lehrkräfte sehen sich durch die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler sowie durch eine inklusive Beschulung weiterhin herausgefordert.

34 % der Lehrkräfte nennen die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler als zweitgrößte Herausforderung in ihrem Berufsalltag. Dies spiegelt sich in der Haltung zur Inklusion wider: Etwa die Hälfte der Lehrkräfte (52 %) empfindet eine inklusive Beschulung als nicht für alle Schülerinnen und Schüler gewinnbringend. Die vorhandenen Förderangebote, um der Vielfalt im Klassenzimmer gerecht zu werden, werden maximal als befriedigend bewertet. 

Erstmals wurde 2026 auch die Wahrnehmung von Diskriminierung im Schulalltag untersucht. Die Daten zeigen, dass abwertendes Verhalten von Schülerinnen und Schülern bereits in der Grundschule präsent ist, dies betrifft insbesondere stereotype Bemerkungen über Frauen und Mädchen oder Menschen anderer Herkunft. 

Empfehlungen des Schulbarometers:

  • Systemische Verantwortung übernehmen: Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Politik, Verwaltung und Schulaufsicht müssen Schulen die notwendigen Rahmenbedingungen bereitstellen.
  • Qualifizierung und Ressourcen sichern: Lehrkräfte benötigen gezielte Fortbildungen, die ihre Kompetenzen im Umgang mit Vielfalt und Inklusion stärken und so ihre Selbstwirksamkeit erhöhen. Gleichzeitig müssen auch für Schülerinnen und Schüler ausreichend qualitativ hochwertige Förderangebote zur Verfügung stehen.
  • Multiprofessionelle Zusammenarbeit ausbauen: Der nachhaltige Ausbau von multiprofessionellen Teams aus Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie weiteren pädagogischen Fachkräften ist entscheidend, um den vielfältigen Herausforderungen im Schulalltag gerecht zu werden

3. Lehrkräfte sind zum größten Teil zufrieden, einige würden jedoch den Beruf wechseln.

Die berufliche Zufriedenheit der Lehrkräfte in Deutschland ist mit 83 % weiterhin hoch und seit 2024 stabil. Dieses positive Gesamtbild wird jedoch dadurch getrübt, dass 28 % der Lehrkräfte ihren Beruf wechseln würden, wenn sich die Möglichkeit dazu ergeben würde. Lehrkräfte mit dem Wunsch zum Wechsel zeigen häufig eine geringere Zufriedenheit mit ihrem Beruf und unterrichten häufiger an Grundschulen sowie Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Gleichzeitig bleibt bei allen Lehrkräften die Belastung hoch. Ein Viertel der Befragten (24 %) fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft, 12 % sogar täglich. 

Empfehlungen des Schulbarometers:

  • Kooperative Schulkultur fördern: Festgelegte Zeiten für Teamarbeit, kollegiale Hospitationen und gemeinsame Feedbackverfahren entlasten Lehrkräfte und verbessern das Schulklima für alle. Eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung kann zusätzlich helfen, Erschöpfung vorzubeugen.
  • Professionelle Unterstützung ausbauen: Die multiprofessionelle Gestaltung des Schulalltags ist auch für die Entlastung von Lehrkräften zentral. Insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit in klar definierten Rollen sowie persönliche Unterstützungs- und Beratungsangebote können Lehrkräfte spürbar entlasten.

4. Lehrkräfte bewerten Demokratiebildung als zentrale Aufgabe in der Schule. Beim Umgang mit politischen Positionen und Meinungen sind sie nicht immer sicher.

Lehrkräfte sehen die Demokratiebildung auch 2026 als eine zentrale Aufgabe von Schule an. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die finden, an ihrer Schule sollte mehr dafür getan werden, leicht rückläufig (von 56 % in 2025 auf 48 % in 2026). Als Gründe für eine unzureichende Demokratiebildung werden mangelnde Zeit, fehlendes Fachwissen im Kollegium und unzureichende Materialien genannt. Fehlendes Interesse seitens der Schülerinnen und Schüler wird besonders von Lehrkräften genannt, die an armutsbelasteten Schulen unterrichten.

Erstmals wurden die Lehrkräfte im Schulbarometer auch zum Umgang mit politischen Meinungen im Unterricht befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass 18 % der Lehrkräfte sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot im eigenen Handeln verunsichert fühlen. Diese Unsicherheit zeigt sich auch in der Fehleinschätzung, Lehrkräfte dürften ihre eigene Meinung zu politischen Fragen grundsätzlich nicht äußern.

Empfehlungen des Schulbarometers:

  • Auftrag klären und Rechtssicherheit schaffen: Demokratiebildung ist die Aufgabe jeder Lehrkraft. Um diesen Auftrag erfüllen zu können, benötigen sie Handlungs- und Rechtssicherheit durch eine gut informierte und unterstützende Schulleitung, Verwaltung und Schulaufsicht.
  • Qualifizierung und Unterstützung ausbauen: Lehrkräfte brauchen Zugang zu professionellen Beratungsangeboten, Netzwerken sowie fachlich fundierten Materialien.

5. Lehrkräfte nutzen Künstliche Intelligenz immer häufiger und sicherer, haben jedoch einen großen Bedarf an Qualifizierung. 

Künstliche Intelligenz hat für Lehrkräfte seit 2025 stark an Bedeutung gewonnen. Während im Vorjahr noch ein Drittel (32 %) angaben, KI mehrmals im Monat zu nutzen, stieg dieser Anteil im Schulbarometer 2026 auf 52 %. Gleichzeitig fühlt sich fast die Hälfte der Lehrkräfte (48 %) sicher im Umgang mit KI-Tools (2025: 38 %). Der Wunsch nach Unterstützung bleibt groß: 52 % der Befragten geben einen persönlichen Fortbildungsbedarf zur Nutzung von KI an. 

KI-Tools werden vor allem für unterstützende Tätigkeiten genutzt: zur Erstellung von Unterrichtsaufgaben (64 %), zur Unterrichtsplanung (58 %) oder für die Kommunikation (33 %). Erstmals wurde 2026 erfasst, inwieweit Lehrkräfte auch ihre Schülerinnen und Schüler im Unterricht KI-Tools nutzen lassen – dies tun inzwischen 29 %.

Empfehlungen des Schulbarometers:

  • Potenziale von KI nutzen: Adaptive, sich an den individuellen Lernfortschritt anpassende, personalisierte Lernsysteme auf Basis von KI können helfen, den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern besser gerecht zu werden.
  • Qualifizierung sicherstellen: Verbindliche Fortbildungsangebote müssen den reflektierten, ethisch verantwortungsvollen und rechtssicheren Umgang mit KI vermitteln. An den Landesinstituten sollte dafür ausreichend fachliche Expertise aufgebaut werden, um Schulen kompetent beraten zu können.
  • Rahmenbedingungen schaffen: Es muss sichergestellt werden, dass an den Schulen eine funktionierende technische Infrastruktur, Software und IT-Support vorhanden sind.

Zum Hintergrund

Mit dem Deutschen Schulbarometer lässt die Robert Bosch Stiftung seit 2019 regelmäßig repräsentative Befragungen zur aktuellen Situation der Schulen in Deutschland durchführen. Für die aktuelle Ausgabe wurden zwischen dem 11. November und dem 2. Dezember 2025 insgesamt 1547 Lehrkräfte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt.

Als Anwendung installieren

Installieren Sie HubbS als App für ein besseres Nutzungserlebnis. Mehr erfahren.

Abbrechen
Autor
HubbS-Redaktion
Veröffentlicht
Veröffentlicht: