Timeboxing statt To-do-Liste

Timeboxing hilft Lehrkräften, Aufgaben feste Zeitfenster zuzuweisen und den Arbeitstag realistischer zu planen.
Timeboxing

To-do-Listen gehören für viele Lehrkräfte beruflicher Schulen zum Arbeitsalltag. Sie schaffen einen Überblick über anstehende Aufgaben, beantworten jedoch nicht die entscheidende Frage: Wann werden diese Aufgaben erledigt? Gerade im Schulalltag kommen regelmäßig neue Anforderungen hinzu, etwa kurzfristige Vertretungsstunden, organisatorische Aufgaben oder Abstimmungen mit Ausbildungsbetrieben. Die Folge sind immer länger werdende Aufgabenlisten, bei denen häufig die dringenden Erledigungen zuerst bearbeitet werden, während wichtige Vorhaben wie die Unterrichtsvorbereitung oder die Überarbeitung von Materialien immer weiter nach hinten verschoben werden.

Aufgaben im Kalender statt auf endlosen Listen

Hier setzt Timeboxing an. Die Methode verfolgt einen einfachen Ansatz: Jede Aufgabe erhält ein festes Zeitfenster im Kalender. Statt sich vorzunehmen, „heute Unterricht vorzubereiten“, wird beispielsweise von 14:00 bis 15:30 Uhr ausschließlich an der Planung der nächsten Unterrichtseinheit gearbeitet. Ist das Zeitfenster beendet, folgt die nächste geplante Aufgabe. Dadurch entsteht ein realistischer Arbeitsplan, der sich an der verfügbaren Zeit orientiert und nicht an einer stetig wachsenden To-do-Liste.

Anwendung im Schulalltag

Timeboxing eignet sich vor allem für Aufgaben, deren Bearbeitungsdauer leicht unterschätzt wird. Dazu gehören unter anderem die Vorbereitung von Unterrichtseinheiten, das Korrigieren von Leistungsnachweisen und die Recherche nach Unterrichtsmaterialien. Die Methode kann aber auch für die Bearbeitung von E-Mails, Absprachen mit Betrieben oder anderen organisatorischen Aufgaben genutzt werden.
 

Für den Einstieg in die Methode hat sich folgendes Vorgehen bewährt:

  1. Aufgaben sammeln:
    Notieren Sie zunächst alle Aufgaben, die erledigt werden sollen – von der Unterrichtsvorbereitung bis zu organisatorischen Tätigkeiten.
  2. Prioritäten festlegen:
    Überlegen Sie, welche Aufgaben besonders wichtig sind und zuerst bearbeitet werden sollten. Dabei kann beispielsweise die Eisenhower-Matrix helfen.
  3. Zeitbedarf einschätzen:
    Schätzen Sie möglichst realistisch, wie viel Zeit Sie für jede Aufgabe benötigen. Planen Sie lieber etwas großzügiger als zu knapp.
  4. Zeitblöcke im Kalender eintragen:
    Tragen Sie für jede priorisierte Aufgabe einen festen Zeitraum in Ihren Kalender ein. Jeder Zeitblock ist ausschließlich für diese Aufgabe vorgesehen. Planen Sie zudem auch Pausen ein!
  5. Pufferzeiten einplanen:
    Lassen Sie zwischen einzelnen Zeitblöcken bewusst Freiräume. Sie helfen dabei, auf ungeplante Ereignisse oder Verzögerungen flexibel zu reagieren.
  6. Konzentriert arbeiten:
    Bearbeiten Sie während eines Zeitblocks nur die dafür vorgesehene Aufgabe. Ablenkungen wie E-Mails oder Messenger-Nachrichten sollten möglichst vermieden werden. Bei längeren Zeitblöcken kann die Pomodoro-Technik unterstützen.
  7. Planung überprüfen und anpassen:
    Vergleichen Sie den geplanten mit dem tatsächlichen Zeitaufwand. So erkennen Sie Aufgaben, die regelmäßig mehr Zeit benötigen oder schneller erledigt werden als erwartet. Nutzen Sie diese Erfahrungen, um zukünftige Zeitblöcke realistischer zu planen und ausreichend Puffer einzuplanen.

    Grafische Übersicht 

Timeboxing in 7 Schritten

 

Beim Arbeiten mit der Timeboxing-Methode ist es wichtig, den Arbeitstag nicht vollständig zu verplanen. Im Schulalltag entstehen regelmäßig ungeplante Aufgaben, die Flexibilität erfordern. Deshalb sollten Pufferzeiten fester Bestandteil jeder Planung sein. Auch das Bündeln ähnlicher Tätigkeiten kann den Arbeitsalltag erleichtern. So lassen sich beispielsweise mehrere unterschiedliche Korrekturen in einem Zeitblock erledigen. Dadurch werden häufige Aufgabenwechsel reduziert und konzentriertes Arbeiten erleichtert.

Warum Timeboxing funktioniert

Timeboxing beruht nicht nur auf praktischen Erfahrungen, sondern lässt sich auch psychologisch begründen. Studien des Psychologen Peter Gollwitzer (1999 und Gollwitzer & Sheeran, 2006) zeigen, dass Menschen Vorhaben häufiger umsetzen, wenn sie bereits festgelegt haben, wann, wo und wie sie eine Aufgabe erledigen möchten. Solche konkreten Handlungspläne bezeichnet Gollwitzer als Implementierungsintentionen (auch bekannt als „Wenn-Dann-Pläne“). Aus einer allgemeinen Absicht wird dadurch ein konkreter Termin.

 

Implementierungsintentionen

Im Unterschied zu einer allgemeinen Zielintention, wie beispielsweise „Ich möchte den Unterricht vorbereiten“, verknüpft eine Implementierungsintention eine konkrete Situation mit einer festgelegten Handlung. Sie folgt dem Prinzip „Wenn X eintritt, dann tue ich Y.“

  • Wenn-Komponente: Beschreibt den Auslösereiz, beispielsweise eine bestimmte Situation, einen Ort oder eine Uhrzeit.
  • Dann-Komponente: Legt fest, welche konkrete Handlung unmittelbar auf diesen Auslösereiz folgen soll.

     

So wird aus dem allgemeinen Ziel „Ich möchte den Unterricht vorbereiten“ z. B.: „Wenn ich um 15 Uhr nach Hause komme, dann bereite ich 30 Minuten lang meinen Unterricht vor.“ Diese Formulierung verdeutlicht, wann und wie das Vorhaben umgesetzt werden soll, und erleichtert es, die Handlung tatsächlich auszuführen.

 

 

Für Lehrkräfte bedeutet dies, dass wichtige Aufgaben nicht nur auf einer To-do-Liste stehen, sondern einen festen Platz im Kalender erhalten. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Aufgaben tatsächlich bearbeitet werden und nicht durch kurzfristige Erledigungen verdrängt werden. Timeboxing unterstützt damit nicht nur eine strukturierte Arbeitsweise, sondern hilft auch dabei, Prioritäten konsequent umzusetzen.

Zeitmanagement kombinieren

Timeboxing lässt sich sinnvoll mit anderen Zeitmanagement-Methoden kombinieren. Mithilfe der Eisenhower-Matrix können zunächst wichtige Aufgaben identifiziert und priorisiert werden. Anschließend werden diese als feste Zeitblöcke im Kalender eingeplant. Innerhalb eines solchen Zeitfensters kann wiederum die Pomodoro-Technik genutzt werden, um konzentriert und ohne Unterbrechungen an einer Aufgabe zu arbeiten.

Grenzen der Methode

Nicht jedes Zeitfenster muss strikt enden. Während feste Termine wie Unterricht oder Konferenzen eine klare Zeitbegrenzung haben, können Zeitblöcke für kreative oder komplexe Aufgaben bei Bedarf etwas verlängert werden. Entscheidend ist, die Planung anschließend entsprechend anzupassen und ausreichend Pufferzeiten vorzusehen. Darüber hinaus lassen sich im Schulalltag lassen nicht alle Tätigkeiten im Voraus terminieren. Kurzfristige Vertretungsstunden, Gespräche mit Schülerinnen und Schülern oder organisatorische Tätigkeiten können geplante Zeitfenster unterbrechen. Deshalb sollte der Kalender bewusst Freiräume enthalten und regelmäßig angepasst werden. Ziel ist nicht, jeden Arbeitstag minutiös zu verplanen, sondern die verfügbare Zeit bewusst für wichtige Aufgaben einzusetzen.

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Autor
HubbS-Redaktion
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