Onboarding neuer Lehrkräfte: Sicherheit schaffen, Integration fördern
Ein professionelles Onboarding erleichtert neuen Lehrkräften den Einstieg, stärkt ihre Bindung an die Schule, fördert die Unterrichtsqualität und trägt langfristig zur Zufriedenheit und einer guten Zusammenarbeit im Kollegium bei. Ziel einer systematischen Einführung ist es, den neuen Kolleginnen und Kollegen ein möglichst hohes Maß an Handlungssicherheit für ihren Einsatz an einer neuen Schule zu ermöglichen.
Onboarding beginnt vor dem ersten Schultag
Bereits vor Schuljahresbeginn sollten den neuen Kolleginnen und Kollegen alle wichtigen pädagogischen und organisatorischen Informationen zur Verfügung gestellt werden. Das umfasst beispielsweise Leitbild, Schulordnung, Grundsätze der Leistungsbewertung und die Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben und außerschulischen Lernorten. Auch sämtliche Richtlinien sowie Lehrpläne und Curricula für die Unterrichtsfächer sollten der neuen Kollegin oder dem neuen Kollegen bereits vor Dienstbeginn bereitgestellt werden. Zusätzliche Dokumente können Notfall- und Krisenpläne, Erste-Hilfe-Regelungen sowie Verfahren zum Schutz minderjähriger Schülerinnen und Schüler (z. B. bei Kindeswohlgefährdung) sein.
Im Idealfall sind all diese Informationen als digitale Willkommensmappe, beispielsweise über das Schulportal, zugänglich, andernfalls sollten sie als Druck ausgehändigt werden. Die Mailadresse sowie Zugang zum Schulportal und weiteren benötigten Programmen und Systemen sollten bereits vor dem ersten Arbeitstag eingerichtet sein.
Willkommen im Kollegium
Am ersten Arbeitstag sollte die Schulleitung die neuen Lehrerinnen und Lehrer persönlich begrüßen und sie den Fachbereichsleitungen sowie dem Kollegium vorstellen. Stellen Sie sicher, dass sich die neuen Lehrkräfte von Anfang an gut aufgenommen fühlen und sich bestmöglich mit der Schule identifizieren können.
Zudem ist es sinnvoll, für die Anfangszeit eine feste Ansprechperson als Mentor bzw. Mentorin (nicht weisungsbefugt) für fachliche und organisatorische Fragen zu bestimmen. Das entlastet die Schulleitung und fördert eine schnelle Integration in das Kollegium.
Mentor oder Mentorin führt am ersten Tag durch das Schulgebäude, zeigt den Arbeitsplatz und macht die neue Lehrkraft mit der Fachgruppe bekannt. Durch die Ansprechperson werden auch die Schulkultur und „ungeschriebene Regeln“ vermittelt: Dazu gehören beispielsweise Kommunikationswege, Entscheidungsprozesse und die Zusammenarbeit im Kollegium.
Die ersten Tage
Die ersten Arbeitstage entscheiden häufig darüber, wie sicher sich neue Lehrkräfte in ihrer Rolle fühlen. Gewährleisten Sie, dass die neuen Lehrkräfte alle pädagogischen und organisatorischen Informationen erhalten, die sie benötigen:
- Kontaktlisten und Zuständigkeiten (Hausmeister oder Hausmeisterin, Sozialarbeit, Verwaltung etc.)
- Teamstrukturen, Fachschaften und Arbeitsgruppen
- Arbeitsabläufe
- Zusammenarbeit mit Eltern, Ausbildungsbetrieben und weiteren schulischen Partnern
- Ausstattung der Schule
- Krankmeldung
- Einstand
- anstehende Veranstaltungen
- andere schulspezifische Informationen
Auch Hospitationen sowie fachliche und methodische Unterstützung durch erfahrene Kollegen und Kolleginnen sollten angesprochen und vereinbart werden.
Es empfiehlt sich, Checklisten für die einzelnen Bereiche und Rollen zur Verfügung zu stellen, die auch regelmäßig überarbeitet werden sollten. Manche Bundesländer stellen Vorlagen zur Verfügung – informieren Sie sich am besten beim Ministerium oder Ihrem Landesinstitut.
Regelmäßige Feedbackgespräche
Vereinbaren Sie bereits zu Beginn regelmäßige Feedbackgespräche bzw. Entwicklungsgespräche mit der neuen Lehrkraft, um Motivation, Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung zu fördern sowie Transparenz zu schaffen. So bieten sie außerdem Raum für das Ansprechen von Problemen. Die Gespräche sollten in beide Richtungen stattfinden – auch die Schule kann von dem frischen Blick neuer Kollegen und Kolleginnen profitieren. Beispielsweise kann sich die Schule gezielt Rückmeldungen zum Onboarding einholen, um Schwachstellen zu identifizieren und den Prozess kontinuierlich zu verbessern.
Die Feedbackgespräche können mit der Schulleitung und / oder Mentorenlehrkraft stattfinden. Für Transparenz und Vergleichbarkeit empfiehlt es sich, die Gespräche anhand eines zuvor abgestimmten Leitfadens zu führen. Vorlagen dazu finden Sie im Internet, beispielsweise dieser Leitfaden aus dem Projekt PIKAS für qualitätsvolle Lehrerausbildung.
Professionelle Entwicklung
Zudem sollten neue Lehrkräfte regelmäßig Fortbildungen besuchen und frühzeitig Einblicke in aktuelle Schulentwicklungsprozesse erhalten, etwa in Digitalisierungs-, Inklusions- oder Unterrichtsentwicklungsprojekte. So verstehen sie die Ziele der Schule besser und können sich aktiv einbringen. Informieren Sie neue Lehrkräfte außerdem über Angebote zum Gesundheitsmanagement, zur psychosozialen Beratung und zum Umgang mit beruflichen Belastungen.
Tipp: Unter diesem Text finden Sie hilfreiche Beiträge zum Thema auf HubbS.schule.
Insbesondere Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger sowie Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger benötigen intensivere Begleitung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Unterstützen Sie sie bei der Unterrichtsvorbereitung, -durchführung und -reflexion, im Verständnis ihrer Rolle als Lehrperson und im Ausbau ihrer sozialen sowie kommunikativen Kompetenzen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass das Bildungswesen im Allgemeinen und (Berufs-) Schulen im Besonderen über eigene Strukturen, Abläufe und Besonderheiten verfügen, die sich neuen Lehrkräften nicht immer unmittelbar erschließen.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Bereitstellung aller relevanten Informationen und Zugänge bereits vor dem ersten Arbeitstag
- Frühzeitige Vermittlung pädagogischer, organisatorischer und rechtlicher Grundlagen
- Persönliche Begrüßung durch die Schulleitung
- Feste Mentorin oder Mentor für eine leichtere Einarbeitung und Integration ins Team
- Vermittlung der Schulkultur, Kommunikationswege und informellen Abläufe
- Erläuterung der Zuständigkeiten, Ansprechpartner, Prozesse und schulischen Besonderheiten in den ersten Tagen
- Hospitationen und der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen
- Klärung der Erwartungen an die Zusammenarbeit mit Eltern, Betrieben und weiteren Partnern
- Orientierung und Handlungssicherheit durch Checklisten und strukturierte Einarbeitungspläne
- Regelmäßige Feedback- und Entwicklungsgespräche für die professionelle Entwicklung
- Fortbildungen und die Einbindung in Schulentwicklungsprojekte für stärkere Identifikation mit der Schule
- Intensive Begleitung besonders für Berufsanfängerinnen, Berufsanfänger sowie Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger
- Kontinuierliche Weiterentwicklung des Onboardings-Prozesses, auch mithilfe von Feedback neuer Lehrkräfte
Ein strukturiertes, wertschätzendes und langfristig angelegtes Onboarding schafft Sicherheit, erleichtert die Integration und legt den Grundstein für eine erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
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