Die Stimme als Werkzeug
Die Stimme ist das wichtigste Werkzeug für den Berufsalltag der Lehrkräfte. Jahrzehntelang sind Lehrerinnen und Lehrer auf einen zuverlässigen und gesunden Sprechapparat angewiesen. Leider haben viele Lehrkräfte, ganz besonders Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, Probleme mit ihrer Stimme. Das Positive ist: Die Stimme lässt sich trainieren, damit sie durchsetzungsfähig und weniger anfällig für Beschwerden ist. Wir haben wirkungsvolle Tipps zur Stimmschonung und nützliche Sprechübungen für Sie:
Bedeutung der Sprecherziehung in der Lehrkräfteausbildung
Quereinsteiger haben erhöhtes Risiko für Stimmprobleme
Tipps für einen stimmschonenden Unterricht
Hilfreiche Stimm- und Sprechübungen

Die Stimme als Handwerkszeug
Die Stimme ist maßgeblich für den Unterrichtserfolg. Die Qualität und Ausdrucksstärke der Stimme beeinflussen direkt die Konzentration, die Aufmerksamkeit und das Verhalten der Schülerinnen und Schüler. Die Ausdrucksstärke wird bestimmt von Stimmklang (heiser, sympathisch, bestimmt etc.), Modulation (=Variationen in der Stimme), Lautstärke, Deutlichkeit, Tempo und Sprechpausen. Eine gesunde und belastbare Stimme mit guter Ausdrucksstärke und Sicherheit benötigt weniger Energieaufwand. Eine geschulte Stimme hat mehr Durchsetzungskraft und dringt auch bei störenden Umweltgeräuschen zu den Lernenden durch.
Stimmstörungen bei Lehrkräften können zu ernsthaften Erkrankungen und sogar zu Ablehnung und Mobbing gegenüber der Lehrkraft führen.
Bedeutung der Sprecherziehung in der Lehrkräfteausbildung
Zahlreiche Befragungen und Studien zeigen: Ein Drittel aller Lehrkräfte haben Probleme mit ihrer Stimme. Beispielsweise ergab das repräsentative Forschungsprojekt zur Stimmbelastung von Lehrkräften der Leuphana Universität Lüneburg, dass fast alle Befragten eine beruflich bedingte stimmliche Belastung empfinden und 25 % der Befragten bereits wegen Stimmproblemen gefehlt haben. Dagegen haben Lehrkräfte mit geschulter Stimme weniger stimmliche Beschwerden und empfinden das Sprechen im Unterricht als weniger belastend. Obwohl schon seit den 1960er-Jahren dazu geforscht wird, ist die Sprecherziehung leider zumeist kein fester Bestandteil der Lehrkräfteausbildung.
Quereinsteiger haben erhöhtes Risiko für Stimmprobleme
Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger im Lehrerberuf sind besonders betroffen; sie haben in der Regel gar keine Sprecherziehung genossen. Vor allem an beruflichen Schulen arbeiten viele Lehrkräfte, die über den Quereinstieg in den Beruf gekommen sind. Vielleicht können Sie an Ihrer Schule Fortbildungen zur Sprecherziehung anregen? Wir listen Ihnen unter dem Artikel einige Möglichkeiten auf.
Tipps für einen stimmschonenden Unterricht
Lüften: Schlechte und trockene Luft im Klassenraum schadet der Stimme. Lüften beugt Stimmproblemen vor und hilft auch der Konzentration der Schülerinnen und Schüler.
Stimmapparat feucht halten: Trinken Sie ausreichend, aber am besten wenig Kaffee. Haben Sie immer Lutschpastillen parat. Vermeiden Sie Rauchen.
Stimme schonen: Räuspern ist Gift für die Stimme! Vermeiden Sie (auch unbewusstes) Räuspern und Husten unbedingt und versuchen Sie, Schleim lieber durch Summen und/oder Schlucken zu lösen. Ist Ihre Stimme durch eine Erkältung angeschlagen, schonen Sie sie konsequent: Möglichst wenig sprechen (nicht flüstern, das verschlimmert Heiserkeit), die Methoden im Unterricht anpassen, Telefonate verschieben, notfalls krankschreiben lassen. Langfristige Überlastung der Stimme kann zu chronischen Beschwerden führen!
Lärmmanagement: Wenn Sie das Gefühl haben, durch die Geräuschkulisse im Klassenzimmer nicht durchzudringen, versuchen Sie nicht, den Lärm zu übertönen. Machen Sie stattdessen Folgendes:
- Lärmquellen abstellen: z. B. Fenster schließen, Beamer etc. ausschalten
- Nonverbale Signale nutzen: z. B. einen Gong oder eine elektronische Lärmampel
- Methodenwechsel: Binden Sie die Schülerinnen und Schüler ein, z. B. als Moderatoren. Wechseln Sie zwischen Gruppenarbeit, Stillarbeit, Referaten etc. und halten Sie den Frontalunterricht, also Ihren Monolog, möglichst kurz.
Hilfreiche Stimm- und Sprechübungen
Die Stimme wird von verschiedenen Muskeln, Schleimhäuten, Knorpeln, Bändern, Nerven und Knochen erzeugt. Ähnlich wie beim Sport führen regelmäßige Übungen zu einer dauerhaften Kräftigung der Sprechmuskulatur. Machen Sie mehrmals wöchentlich Stimmübungen und wärmen Sie Ihre Stimme immer vor dem Unterricht auf, z. B. auf dem Arbeitsweg im Auto. Auch regelmäßiges Singen und Stimmbildung im Chor trainieren die Stimme!
Körperhaltung: Eine aufrechte Körperhaltung unterstützt die Atmung und die Stimme. Richten Sie den Oberkörper auf, als wenn am Hinterkopf ein Faden befestigt wäre, der sie sanft nach oben zieht. Spannen Sie den Beckenboden an und aktivieren Sie die Rückenmuskulatur. Bauch, Schultern und Nacken sollten entspannt bleiben, um den Atemfluss nicht zu behindern. Wechseln Sie während des Unterrichts häufig die Position.
Zwerchfell aktivieren: Ein aktives Zwerchfell sorgt für eine tiefe Bauchatmung. Es gibt zahlreiche Übungen dazu – versuchen Sie doch einmal folgende: Atmen Sie tief in den Bauch ein. Beim langsamen und kontrollierten Ausatmen auf „ffff“ oder „ssss“ zieht sich der Bauch immer weiter nach innen und das Zwerchfell drückt die Luft nach außen. Der nächste Atemzug passiert fast von allein, indem das Zwerchfell nach außen federt.
Gesichtsmuskeln entspannen: Ein großes Gähnen oder Grimassen lockern die Muskulatur, sodass Luft und Stimme ungehindert strömen können.
Lippen und Stimmbänder lockern: Atmen Sie tief ein. Beim Ausatmen „blubbern“ Sie mit den Lippen und summen wie eine Achterbahn von unten nach oben und zurück. Diese Übung „entschleimt“ gleichzeitig den Hals.
Artikulationsübung: Sprechen Sie mit einem Kuli zwischen den Lippen ein paar Sätze. Versuchen Sie, möglichst deutlich zu artikulieren. Wiederholen Sie die Sätze dann ohne den Kuli – Sie werden eine deutlichere Aussprache bemerken.
Persönlichkeit durch Stimme: Lesen Sie laut einen Text und schlüpfen Sie dabei in verschiedene Rollen oder Dialekte. Wie ändern sich Sprechpausen, Modulation, Lautstärke, Deutlichkeit, Tempo, Sprachmelodie und Stimmfarbe?
Hilfe suchen
Sollten Sie vermehrt Stimmprobleme haben, suchen Sie bitte unbedingt einen spezialisierten Ansprechpartner auf. Das sind in der Regel Phoniater und Phoniaterinnen sowie Logopäden und Logopädinnen. Erste Auskunft kann Ihnen die Allgemeinarztpraxis geben.
Fortbildungen
Hier finden Sie einige Fortbildungen und Seminare, die Sprechtraining speziell für Lehrkräfte anbieten. Wir möchten darauf hinweisen, dass dies nur eine Auswahl darstellt und wir die Kurse nicht getestet haben!
Fortbildungen für Einzelpersonen:
Koerper. Stimme. Haltung. | Universität Halle-Wittenberg (Kostenlos, online)
Hör mal wer da spricht! Stimm- und Sprechtraining für Lehrkräfte | Cornelsen Akademie (70 €)
Stimmtraining für Lehrer*innen – das tut deiner Stimme gut! | fobizz (Kostenlos, online)
Fortbildungen für die Schule:
Seminare, Einzeltrainings und Vorträge | Stimme & Beruf
Stimmlich fit für den Unterricht | Cornelsen Akademie
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