Wie kreativ ist Künstliche Intelligenz wirklich?

KI gilt als kreativ, wenn sie Texte schreibt oder Ideen entwickelt. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass ihre Ideen im Vergleich zum Menschen nur eingeschränkt sind.
KI generiertes Bild eines Menschen und eines Roboters, die am Tisch sitzen und zeichnen.

Künstliche Intelligenz wird häufig als besonders erfinderisch wahrgenommen. Ob beim Schreiben von Texten, beim Entwickeln von Ideen oder beim Lösen von Problemen – moderne KI-Systeme erzeugen mühelos neue Inhalte. Eine aktuelle Studie von Emily Wenger und Yoed N Kenett mit dem Titel „Large language models are homogeneously creative“ zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Die generierten Inhalte von verschiedenen KIs sind relativ einheitlich und begrenzt.
 

Kreativität im Vergleich: Mensch vs. KI


Im Zentrum der Untersuchung stand der Vergleich zwischen menschlicher und maschineller Kreativität. Sowohl Menschen als auch verschiedene Sprachmodelle sollten kreative Aufgaben lösen, zum Beispiel ungewöhnliche Nutzungsmöglichkeiten für alltägliche Gegenstände finden. Solche Tests gelten in der Forschung als klassischer Ansatz, um Originalität und Ideenvielfalt zu messen. 
Das Ergebnis ist zunächst positiv für die KI: Sprachmodelle können durchaus kreative Antworten liefern. Die Vorschläge sind oft sinnvoll, sprachlich sauber formuliert und teilweise sogar originell. Im direkten Vergleich zeigt sich jedoch ein entscheidender Unterschied: Während Menschen eine große Bandbreite an sehr abwechslungsreichen und teils überraschenden Ideen entwickeln, bleiben die Antworten der KI sehr ähnlich. Das gilt nicht nur innerhalb eines einzelnen Modells, sondern auch zwischen verschiedenen Systemen. Selbst wenn unterschiedliche Modelle getestet werden, gleichen sich die Ergebnisse stark. Die Studie beschreibt dieses Phänomen als „homogene Kreativität“ – also Kreativität, die zwar vorhanden ist, aber nur in einem engen, eintönigen Rahmen stattfindet.


Warum KI oft ähnliche Ideen liefert


Die Forschenden sehen darin kein Zufallsproblem, sondern ein strukturelles Merkmal der Systeme. Sprachmodelle sind darauf trainiert, wahrscheinliche und statistisch passende Antworten zu erzeugen. Sie arbeiten mit großen Datenmengen, aus denen sie Muster erkennen und kombinieren. Dadurch entstehen oft überzeugende Ergebnisse, aber selten wirklich überraschende oder gänzlich neue Ideen. Kreativität entsteht bei KI also nicht durch neue Gedanken, sondern durch die Rekombination bereits bekannter Inhalte. 
Gerade hier zeigt sich der Unterschied zum Menschen besonders deutlich. Denn Kreativität entsteht aus individuellen Erfahrungen, Emotionen und Perspektiven. Auch das Prinzip von Versuch und Irrtum ist ein wesentlicher Bestandteil des Einfallsreichtums und trägt dazu bei, dass Menschen sehr unterschiedliche Lösungswege entwickeln. Wenn mehrere Personen an derselben Aufgabe arbeiten, verstärkt sich diese Vielfalt noch einmal deutlich. Die KI hingegen bleibt in ihrer Ideenvielfalt vergleichsweise konstant und liefert eher ähnliche Vorschläge, selbst bei unterschiedlichen Systemen.
 

Chancen und Grenzen im kreativen Einsatz


Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass Sprachmodelle hilfreich sein können, wenn es darum geht schnell erste Ideen zu entwickeln, Schreibblockaden zu überwinden oder Inhalte strukturiert auszuarbeiten. Sie bieten damit einen guten Ausgangspunkt für kreative Prozesse. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass sich Inhalte angleichen, wenn viele Menschen auf ähnliche KI-generierte Vorschläge zurückgreifen. Dadurch könnte langfristig die Vielfalt kreativer geistiger Inhalte sinken. 
Daher sollte KI die geistige Arbeit niemals ersetzen, sondern immer nur als unterstützendes Werkzeug dienen. Denn ihre Stärke liegt vor allem in der schnellen Verarbeitung großer Informationsmengen und in der Bereitstellung gut formulierter Vorschläge. Das Entstehen neuer, unerwarteter Ideen ist nach wie vor eine zentrale Fähigkeit des Menschen. Für Lehrkräfte bleibt es daher wichtig, KI im Unterricht gezielt und reflektiert einzusetzen, damit eigene Ideen, unterschiedliche Denkweisen und kritisches Weiterdenken im Klassenzimmer auch in Zukunft erhalten bleiben.

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HubbS-Redaktion
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