Zwei berufliche Schulen mit dem Deutschen Schulpreis 2026 ausgezeichnet
Der Deutsche Schulpreis 2026 steht fest! Den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis erhält die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen. Fünf weitere Schulen wurden mit jeweils 30.000 Euro ausgezeichnet, darunter die beiden beruflichen Schulen Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen und die Hans-Leipelt-Schule in Donauwörth. Im Folgenden stellen wir Ihnen diese beiden Schulen und ihr herausragendes Schulkonzept vor.
Ferdinand-von-Steinbeis-Schule: Selbstorganisiertes Lernen im Innovationslabor
Die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen in Baden-Württemberg ist eine berufliche Schule mit rund 1.300 Schülerinnen und Schülern und zahlreichen Bildungsgängen – von der Ausbildungsvorbereitung bis hin zum Abitur. Im Mittelpunkt der Schulentwicklung steht das „Innovationslabor“, in dem Unterrichtsformen konzipiert und an unterschiedliche Lernvoraussetzungen angepasst werden. Ausgangspunkt war der Bildungsgang Ausbildungsvorbereitung dual (AVdual). Das dort entwickelte Konzept wurde auf weitere Bildungsgänge übertragen. Kurze Inputphasen wechseln sich mit Phasen selbstorganisierten Lernens ab. Differenzierte Materialien und digitale Lernplattformen ermöglichen individuelles Arbeiten, während die Lehrkräfte die Lernprozesse begleiten. Praxisnahe Projekte und die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben verbinden das schulische Lernen mit der Arbeitswelt. Auch Teamarbeit, Feedbackgespräche und die Beteiligung der Lernenden an der Unterrichtsentwicklung sind Teil des Konzepts.
Die Jury begründet ihre Auswahl damit, dass sie Schule ihre Schülerinnen und Schüler konsequent in den Mittelpunkt stellt. Sie hat eine Lernkultur entwickelt, die Unterricht neu denkt: Kurze Instruktionsphasen verbinden sich mit langen Phasen selbstorganisierten Lernens, differenzierten Materialien, verlässlichem Coaching und kontinuierlichem Feedback. So übernehmen die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihren Lernprozess und erfahren zugleich eine außergewöhnlich zugewandte Begleitung durch die Lehrpersonen.
Hans-Leipelt-Schule: Individuelle Lernwege an der Fach- und Berufsoberschule
Die Hans-Leipelt-Schule in Donauwörth in Bayern begleitet rund 620 Schülerinnen und Schüler an der Fachoberschule und Berufsoberschule auf dem Weg zum Fachabitur oder Abitur. Viele bringen bereits eine Berufsausbildung oder Berufserfahrung mit. Mit ihrem Unterrichtskonzept „BOSVision“ reagiert die Schule auf die unterschiedlichen Voraussetzungen ihrer Lernenden. Nach kurzen Instruktionsphasen arbeiten sie selbstständig mit Materialien auf verschiedenen Niveaustufen. Lehrkräfte begleiten die Lernprozesse als Coaches und geben individuelles Feedback. Eine zusätzliche Lernbegleitung unterstützt bei der Selbstorganisation. Die „Komm-gut-an-Woche“ erleichtert die Rückkehr in den Schulalltag. Alternative Leistungsnachweise und verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten sollen unterschiedliche Stärken und Lernwege berücksichtigen.
Die Jury begründet den Preis mit der Innovationskraft des Konzepts „BOS Vision“, das konsequent an der Lebens- und Lernsituation sowie den Bedarfen der Lernenden ausgerichtet ist. Besonders hervorzuheben sind das beeindruckend konzentrierte und produktive Arbeitsklima sowie die gelungene Balance zwischen Struktur und Selbstorganisation. Statt eines klassischen Stundenplans strukturiert ein Klassenplan den Schultag.
Die weiteren Preisträger
Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung vergeben. Die Jury bewertet die Schulen in sechs Qualitätsbereichen:
- Unterrichtsqualität
- Leistung
- Umgang mit Vielfalt
- Verantwortung
- Schulleben und Netzwerke
- Lernende Schule
Zum Auswahlverfahren gehören unter anderem Schulbesuche, Unterrichtshospitationen und Gespräche mit verschiedenen Mitgliedern der Schulgemeinschaft. Insgesamt standen 15 Schulen im Finale des Deutschen Schulpreises 2026. Neben den beiden beruflichen Schulen wurden das Georg-Christoph-Lichtenberg-Oberstufengymnasium in Bruchköbel (Hessen), die Oberschule Berenbostel in Garbsen (Niedersachsen) und die Staatliche Grundschule Tannroda in Bad Berka (Thüringen) mit jeweils 30.000 Euro ausgezeichnet. Den zusätzlichen Preis der Jury für gesellschaftlichen Zusammenhalt erhielt die Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg. Die übrigen nominierten Schulen erhielten einen Anerkennungspreis von jeweils 5.000 Euro.
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