Trendmonitor KI in der Bildung 2026: So nutzen Lehrkräfte Künstliche Intelligenz
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz an Schulen entwickelt sich rasant weiter. Neben neuen Anwendungsmöglichkeiten rücken dabei zunehmend Fragen nach notwendigen Kompetenzen, möglichen Risiken und den langfristigen Auswirkungen auf Schule und Unterricht in den Fokus. Der Trendmonitor KI in der Bildung 2026 ordnet die aktuellen Entwicklungen ein, gibt sehr konkrete Handlungsempfehlungen und wagt auch einen Blick über Deutschlands Grenzen hinaus.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
- Die generative KI bleibt marktbeherrschend: Text-, bild- und videogenerierende Systeme, zum Beispiel sogenannte General-Purpose-Modelle wie ChatGPT, bleiben die mit Abstand wichtigsten KI-Tools im Schulbetrieb.
- Bildungsspezifische Systeme nehmen zu: Es stehen mehr LLM-basierte Plattformen und Chatbots wie fobizz oder AIS.chat zur Verfügung als noch 2025.
- Verschiebung der Kompetenzbedarfe: Im Vordergrund steht die sinnvolle Verknüpfung von aktiver Nutzungserfahrung mit KI-spezifischen reflexiven Kompetenzen. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Ergebnisse der KI kritisch hinterfragen und deren Qualität prüfen können.
- Sorge vor Kompetenzverlust durch KI: Die Gefahr des Skill Skippings und Deskillings wird stärker gesehen: Schülerinnen und Schüler sollen ihre fachlichen Grundkompetenzen nicht durch den KI-Einsatz verlieren (oder gar nicht erst entwickeln).
- Bildungsungerechtigkeit mit KI: Es wird prognostiziert, dass sich die Schere zwischen digital kompetenten und weniger kompetenten Lernenden weiter öffnen werde.
- KI für Schulmanagement und Schulentwicklung: Die datengestützte Schulentwicklung und KI-Tools, die mehr Barrierefreiheit bringen, gewinnen an Relevanz; für das Schulmanagement spielen KI-gestützte Werkzeuge aber nur eine kleine Rolle.
- Bedarf an Selbstregulation: Die Schülerinnen und Schüler sollen vor der KI-Nutzung erst Selbstregulationskompetenz aufbauen, damit sie ihr Lernen planen, sich motivieren und KI-Ergebnisse auf ihre Qualität hin prüfen können.
- Zukunftstrend KI-Agenten: Die Expertinnen und Experten prognostizieren KI-Agenten, die eigenständig Handlungsroutinen übernehmen, in den nächsten fünf Jahren einen deutlichen Bedeutungszuwachs.
- Lehrkräfte bevorzugen KI-Assistenten: Lehrkräfte in Deutschland nutzen KI-Tools vorrangig zur Arbeitserleichterung bei der Unterrichtsvorbereitung
- Priorität der digitalen Souveränität: Die Sorge vor einer zu starken Abhängigkeit von marktführenden, außereuropäischen KI-Unternehmen ist bei den Befragten weiterhin hoch.
- Der unersetzbare „Faktor Mensch“: Aufgrund von nach wie vor auftretenden KI-Halluzinationen und verzerrten Informationen (Biases) bleibt die menschliche Qualitätsprüfung unerlässlich.
Marktüberblick: KI-Technologien für Schulen
Der Trendmonitor bietet einen ausführlichen Überblick, welche KI-Technologien derzeit für welche schulischen Zielgruppen und Aufgaben angeboten werden. Es wurden insgesamt 258 KI-gestützte Anwendungen in Europa, den USA und Asien erfasst und in neun Gruppen gegliedert:
- Generative KI-Systeme
- Intelligente Tutoringsysteme (ITS) und Empfehlungssysteme
- Learning Analytics & Educational Data Mining
- KI-Agenten
- Prüfungsunterstützende Systeme
- Verwaltungsunterstützende Systeme
- Assistive KI-Systeme zur Inklusion
- Robotik
- KI-gestützte VR-Lernumgebungen
Die Einteilung erfolgte in erster Linie danach, welche Aufgaben die jeweiligen KI-Anwendungen in der schulischen Bildung übernehmen bzw. unterstützen. Der Trendmonitor gibt zu jeder Gruppe genauere Informationen und nennt beispielhaft einige Produkte.
Blick nach China
Als Schwerpunktthema untersucht der Trendmonitor diesmal, wie China im Bildungsbereich mit KI arbeitet. Anders als in Deutschland wird Bildung in China zentral gesteuert, was einen einheitlichen Umgang mit neuen Technologien erleichtert. Die Haupterkenntnis ist, dass Deutschland mit KI den Status quo optimiert und KI-Systeme als Assistent verwendet. China baut dagegen das Schulsystem mit künstlicher Intelligenz grundlegend um und nutzt sie als elementaren Teil der Bildungsinfrastruktur.
Das sind die Unterschiede:
- Verbreitungstempo: China ist schneller: Für ein Viertel der Lehrkräfte und fast alle Schülerinnen und Schüler gehört KI schon zum Alltag.
- Software versus Hardware: China integriert KI physisch in die Klassenzimmer, zum Beispiel durch intelligente, sprachgesteuerte digitale Tafeln. Deutschland beschränkt sich auf Apps und Browser-Anwendungen.
- Beginn des KI-Einsatzes: China nutzt KI intensiv und spielerisch bereits in der Grundschule. In Deutschland wird der Einsatz ab Klasse 8 empfohlen.
- Bildungsgerechtigkeit: In China dienen KI-Technologien einer besseren Bildungsversorgung im ländlichen Raum. In Deutschland heben bisher nur Einzelinitiativen das KI-Potenzial für Bildungsgerechtigkeit.
- Verbindlichkeit: Deutschland setzt auf unverbindliche Empfehlungen und Schulautonomie. China baut ein zentrales, staatliches „Bildungsgehirn“ auf.
Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten:
- Entlastung als Hauptmotivator: In beiden Ländern nutzen Lehrkräfte KI fast ausschließlich zur zeitlichen Entlastung bei der Unterrichtsvorbereitung.
- Angst vor Kompetenzverlust: Die größte Sorge gilt in beiden Ländern dem Deskilling und Skill Skipping.
- Skepsis wegen Halluzinationen: Die Unzuverlässigkeit von KI ist weithin bekannt und wird in beiden Ländern als Problem gesehen.
- Suche nach sicheren Räumen: Beide Länder drängen auf eine verlässliche Regulierung für die Schulen – Deutschland über datenschutzkonforme Landestools, China über staatlich geprüfte Listen erlaubter Tools.
Handlungsempfehlungen
Auf Basis der Trendmonitore 2025 und 2026 leiten die Autorinnen und Autoren konkrete Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte, Schulen, Bildungspolitik, Forschung und Lehrkräftebildung ab. Im Mittelpunkt steht ein reflektierter und pädagogisch sinnvoller KI-Einsatz: Künstliche Intelligenz soll Lernprozesse unterstützen, ohne eigenes Denken und fachliche Grundkompetenzen zu ersetzen. Gleichzeitig sollen Schulen durch praxistaugliche und datenschutzkonforme Anwendungen entlastet und die digitale Souveränität gestärkt werden. Dafür braucht es unter anderem verbindliche KI-Kompetenzen in der Lehrkräftebildung, geeignete rechtliche und technische Rahmenbedingungen sowie mehr Möglichkeiten, neue Anwendungen in der Praxis zu erproben. Die pädagogische Verantwortung und die abschließende Bewertung sollen dabei stets bei der Lehrkraft bleiben.
Zum Hintergrund
Der Trendmonitor KI in der Bildung der Telekom Stiftung basiert auf einer Marktrecherche von 258 verfügbaren KI-Anwendungen, einer Online-Befragung mit 81 Expertinnen und Experten sowie leitfadengestützten Interviews. Erstellt wurde sie in Zusammenarbeit mit dem mmb Institut – Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH und dem Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Ausführliche Informationen erhalten Sie in der Broschüre „Trendmonitor KI in der Bildung“.
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