Cornelsen Schulleitungsstudie 2026

Die Cornelsen Schulleitungsstudie 2026 zeigt, dass die Mehrheit der Schulleitungen beruflicher Schulen zuversichtlich auf die Zukunft blickt.
Drei Personen sitzen in einem Büro. Auf dem Tisch sind Schreibutensilien, ein Laptop und ein Handy.
Schulleitungen beruflicher Schulen blicken zuversichtlich auf die Zukunft. © iStock / Ugur Karakoc

Wie zufrieden sind Schulleitungen mit ihrer Arbeit, welche Herausforderungen beschäftigen sie und wie blicken sie auf die Zukunft? Die vierte Cornelsen Schulleitungsstudie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) hat dazu 2.066 Schulleitungen befragt, darunter 247 an beruflichen Schulen. Da Schulleitungen von beruflichen Schulen mit älteren, häufig bereits volljährigen Lernenden, in anderen Ressourcen- und Personalstrukturen und mit einem stärker arbeitsweltbezogenen Auftrag arbeiten, wurden ihre Antworten separat ausgewertet. 

Insgesamt zeigt die Studie, dass die Belastung an Schulen hoch bleibt. Gleichzeitig unterscheiden sich Stimmung, Herausforderungen und Reformwünsche deutlich zwischen den Schulformen. Besonders die beruflichen Schulen zeichnen ein anderes Bild als die allgemeinbildenden Schulen, denn sie blicken insgesamt zufriedener und vertrauensvoller auf ihre Situation. Zudem setzen sie bei Zukunftsthemen andere Schwerpunkte.

Zufriedenheit und Zuversicht trotz hoher Belastung 

Die Schulleitungen beruflicher Schulen schätzen ihre Situation deutlich positiver ein als Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen. So sind 56,1 % mit ihrer Arbeitssituation eher oder sehr zufrieden, wohingegen es bei den allgemeinbildenden Schulen nur 37,5 % sind. Umgekehrt ist der Anteil der unzufriedenen Schulleitungen an beruflichen Schulen deutlich geringer als an allgemeinbildenden Schulen (11,4 % gegenüber 24,4 %).

Auch der Blick in die Zukunft fällt positiver aus. Denn 56,2 % der Schulleitungen beruflicher Schulen sehen der Weiterentwicklung ihrer Schule zuversichtlich entgegen. Bei den allgemeinbildenden Schulen sind es 47,9 %. Lediglich 4,5 % der Befragten sind sehr skeptisch bezüglich der Zukunft im Gegensatz zu 9,2 % an allgemeinbildenden Schulen.

Mittels des Personalmangel-Index wurde erfasst, in wie vielen von zehn abgefragten Bereichen Schulen von fehlendem Personal betroffen sind. Berufliche Schulen kommen dabei durchschnittlich auf 2,3 betroffene Bereiche, während es an Schulen der Grund- und Sekundarstufe I 3,5 sind. Gleichzeitig bleiben die Belastungen hoch: Rund 47,6 Stunden arbeiten Schulleitungen beruflicher Schulen pro Woche. 60,7 % verbringen mehr als zehn Stunden pro Woche mit Verwaltungsaufgaben, 43,4 % sogar mehr als 15 Stunden. 

Digitalisierung, KI und Arbeitswelt prägen die Agenda

Bei den Zukunftsthemen setzen berufliche Schulen andere Schwerpunkte als allgemeinbildende Schulen. Besonders deutlich wird das bei Angelegenheiten rund um Künstliche Intelligenz (KI). KI zählt an beruflichen Schulen zu den wichtigsten Schulleitungsthemen: 51 % der Schulleitungen nennen sie als zentrales Thema, an allgemeinbildenden Schulen sind es nur 25 %. Ferner ist bei 71 % der beruflichen Schulen KI bereits fester Bestandteil der Schulentwicklung, an allgemeinbildenden Schulen hingegen nur bei 52 %. Auch fällt die Zustimmung beim Blick auf zukünftige Entwicklungen in Sachen KI an beruflichen Schulen höher aus: 92 % der Befragten halten einen selbstverständlichen Einsatz von KI für ein Merkmal der zukünftigen Schule, bei den allgemeinbildenden Schulen sind es 77 %. 

Ebenfalls im Mittelpunkt der beruflichen Schulen steht die Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Hier befürworten 62 % der Schulleitungen eine frühere Berufsorientierung, wohingegen es bei den allgemeinbildenden Schulen nur 22 % sind. Außerdem setzen 88 % auf mehr Praxisnähe im Gegensatz zu 67 % an allgemeinbildenden Schulen. Auch im Unterricht zeigen sich Unterschiede: Berufliche Schulen arbeiten häufiger mit digitalen Lehr- und Lernmaterialien (76 % gegenüber 61 %), während Lernstandserhebungen dort deutlich seltener im Fokus stehen (35 % gegenüber 70 %). Zudem wird der Verzicht auf Noten an beruflichen Schulen seltener als Zukunftsmodell gesehen (28 % gegenüber 49 %).

Andere Themen, die allgemeinbildende Schulen stärker beschäftigen, treten dafür an beruflichen Schulen in den Hintergrund: Herausforderndes Verhalten der Schülerinnen und Schüler nennen nur 23 % der beruflichen Schulleitungen als relevantes Thema, im Gegensatz zu 73 % an allgemeinbildenden Schulen. Auch beim Thema Inklusion gibt es deutliche Unterschiede, denn nur 5 % der Schulleitungen beruflicher Schulen nennen Inklusion als Herausforderung, bei den allgemeinbildenden Schulen sind es 29 %.

Daten, Demokratie und Steuerung

Bei Fragen der Regulierung, Steuerung und politischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich die Prioritäten ebenfalls. Ein ganztägiges Smartphone-Verbot findet an beruflichen Schulen deutlich weniger Zustimmung: 34 % befürworten es, an allgemeinbildenden Schulen sind es 91 %.
Bei Dateninstrumenten wie einer Schüler-ID oder einem Bildungsverlaufsregister zeigen sich berufliche Schulen etwas offener. Zudem gibt es dort häufiger festgelegte Zuständigkeiten für die Datenarbeit (56 % gegenüber 46 %).

Auch bei der demokratischen Schulkultur setzen berufliche Schulen andere Schwerpunkte. Dass Eltern demokratische Werte nicht mittragen, empfinden 22 % der beruflichen Schulleitungen als Herausforderung im Gegensatz zu 53 % an allgemeinbildenden Schulen. Deutlich häufiger sehen sie dagegen eine unzureichende Partizipation und Repräsentation der Schülerinnen und Schüler als Problem (21 % gegenüber 8 %). Gleichzeitig nehmen 36 % einen zunehmenden Rechtsextremismus wahr, bei den allgemeinbildenden Schulen sind es 27 %.

Mehr Handlungsspielraum, weniger Bürokratie

Bei den politischen Rahmenbedingungen zeigt sich ebenfalls ein anderes Bild. Berufliche Schulen fordern häufiger mehr Eigenständigkeit. Für mehr Schulautonomie sprechen sich 42 % aus, bei allgemeinbildenden Schulen sind es 36 %. Auch die Forderung nach Abschaffung des Bildungsföderalismus (34 % gegenüber 26 %) und des Beamtentums (24 % gegenüber 13 %) findet an beruflichen Schulen mehr Zustimmung.

Dagegen wird die Gleichbehandlung aller Schulformen seltener als politische Priorität genannt: 17 % der Leitungen beruflicher Schulen sehen dies als wichtig an im Gegensatz zu 33 % an allgemeinbildenden Schulen. Auch die Unterstützung von Schulen in herausfordernder Lage wird seltener genannt (7 % gegenüber 14 %).

An der Spitze der Reformwünsche stehen allerdings auch bei beruflichen Schulen mehr Zeit und weniger Bürokratie. So wünschen sich 94,6 % der Schulleitungen mehr zeitliche Ressourcen und 94,2 % einen Abbau bürokratischer Anforderungen. Gleichzeitig ist der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit ausgeprägt: 80,8 % fordern mehr Finanzhoheit und 88,4 % mehr Personalhoheit.

Die Ergebnisse zeigen damit ein klares Bild: Berufliche Schulen stehen ebenfalls unter Druck, beurteilen ihre Situation aber deutlich positiver als allgemeinbildende Schulen. Besonders bei KI, Digitalisierung und Arbeitsweltorientierung setzen sie andere Schwerpunkte und wünschen sich mehr Eigenständigkeit statt zusätzlicher Steuerung. 

Die komplette Schulleitungsstudie 2026 mit ausführlichen Ergebnissen können Sie hier herunterladen.

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HubbS-Redaktion
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