Ausbildung überzeugt junge Menschen – der Weg dorthin bleibt schwierig
Die neue Befragung „Ausbildungsperspektiven 2026“ der Bertelsmann Stiftung zeichnet ein insgesamt positives Bild der Ausbildung. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass der Weg in die Ausbildung für viele Jugendliche mit Orientierungsfragen und unterschiedlichen Herausforderungen verbunden ist. Im Mittelpunkt steht damit weniger die Ausbildung selbst als vielmehr der Zugang zu ihr.
Ausbildung bleibt der beliebteste Bildungsweg
Die repräsentative Befragung von deutschlandweit 1.763 jungen Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie 1.325 Auszubildenden im Alter von 15 bis 25 Jahren im Frühjahr 2026 zeigt zunächst ein erfreuliches Bild: 88 Prozent sehen in einer Berufsausbildung eine gute Grundlage für ihre berufliche Zukunft. Rund drei Viertel der Befragten sind überzeugt, dass sich mit einer abgeschlossenen Ausbildung ein gutes Leben finanzieren lässt. Für viele Jugendliche ist die Ausbildung damit die attraktivste Option nach der Schule. Rund ein Drittel möchte direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung beginnen, weitere 44 Prozent können sich diesen Weg vorstellen.
Dennoch nimmt fast die Hälfte der Befragten die gesellschaftliche Wertschätzung der beruflichen Ausbildung als zu gering wahr. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels unterstreicht die Befragung, wie wichtig es ist, die berufliche Bildung stärker sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft hervorzuheben.
Berufsorientierung: Informationen gibt es – Orientierung fehlt häufig
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage betrifft die Berufsorientierung. Zwar geben 83 Prozent der Jugendlichen an, dass es grundsätzlich genügend Informationen zur Berufswahl gibt. Gleichzeitig fällt es 52 Prozent schwer, sich im Informationsangebot zurechtzufinden. Nur 31 Prozent fühlen sich ausreichend informiert und finden sich in den vorhandenen Angeboten gut zurecht.
Besonders auffällig: Gymnasiastinnen und Gymnasiasten fühlen sich häufig schlechter über Ausbildungsberufe informiert als Jugendliche mit mittleren oder niedrigeren Schulabschlüssen. Entsprechend wünschen sie sich häufiger zusätzliche Unterstützung bei der beruflichen Orientierung. Die Befragung macht damit deutlich, dass Berufsorientierung längst nicht mehr ausschließlich eine Aufgabe für bestimmte Schulformen ist.
Als besonders hilfreich bewerten die Jugendlichen praxisnahe Formate wie Praktika, Betriebsbesichtigungen sowie persönliche Beratung durch Lehrkräfte, Berufsberatung oder Ausbilderinnen und Ausbilder. Digitale Angebote oder KI-gestützte Informationsquellen spielen dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Der Zugang zur Ausbildung bleibt eine Herausforderung
Obwohl das Interesse an einer Ausbildung groß ist, schätzen viele Jugendliche ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz kritisch ein. Besonders junge Menschen mit niedrigem Schulbildungsniveau zweifeln daran, einen Ausbildungsplatz zu finden. Gleichzeitig berichten auch Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen von Unsicherheiten bei der beruflichen Orientierung und der Ausbildungsplatzsuche.
Die Umfrage ordnet diese Entwicklung in die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt ein. Sinkende Ausbildungsplatzangebote, eine angespannte wirtschaftliche Lage und Passungsprobleme zwischen Betrieben und Bewerberinnen bzw. Bewerbern erschweren den Übergang von der Schule in die Ausbildung. Während in einigen Branchen Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, finden viele junge Menschen trotz Ausbildungsinteresse keinen passenden Einstieg.
Wer in Ausbildung ist, bewertet sie überwiegend positiv
Für diejenigen, die bereits eine Ausbildung begonnen haben, fällt das Urteil eindeutig aus: Neun von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, fast die Hälfte ist sogar sehr zufrieden. Die große Mehrheit würde sich erneut für denselben Ausbildungsberuf entscheiden.
Positiv bewertet werden insbesondere:
- die Qualität der Ausbildung,
- die Unterstützung durch Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Lehrkräfte,
- die Arbeitsatmosphäre im Betrieb,
- die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen sowie
- die Vorbereitung auf das spätere Berufsleben.
Besonders zufrieden zeigen sich die Auszubildenden mit den sozialen Aspekten ihrer Ausbildung. Rund neun von zehn Befragten bewerten die Unterstützung durch ihre Ausbilderinnen und Ausbilder bzw. verantwortlichen Lehrkräfte positiv. Ebenso viele fühlen sich im Kreis ihrer Kolleginnen und Kollegen beziehungsweise der anderen Auszubildenden wohl. Im Vergleich zur betrieblichen Ausbildung werden die Ausbildungsanteile in der Berufsschule zwar etwas kritischer bewertet. Dies betrifft insbesondere den Praxisbezug der vermittelten Lerninhalte. Insgesamt äußert sich jedoch nur ein kleiner Teil der Auszubildenden ausdrücklich negativ über den Unterricht oder die Lehrkräfte.
Was jungen Menschen bei der Berufswahl wichtig ist
Bei der Berufswahl spielen vor allem langfristige Perspektiven eine Rolle. Ein sicherer Arbeitsplatz, interessante Tätigkeiten und gute Verdienstmöglichkeiten gehören zu den wichtigsten Entscheidungskriterien. Bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs stehen dagegen ein gutes Betriebsklima, kurze Wege sowie Übernahme- und Entwicklungsmöglichkeiten im Vordergrund.
Ausbildungsabbrüche bleiben ein wichtiges Thema
Trotz der hohen Zufriedenheit hat fast jede bzw. jeder vierte der befragten Auszubildenden bereits darüber nachgedacht, die Ausbildung abzubrechen. Der Berufsbildungsbericht 2026 zeigt, dass in der Realität sogar fast 30 Prozent aller Berufsausbildungen vorzeitig beendet werden. Als häufigste Gründe nennen die Befragten psychische Belastungen sowie Enttäuschungen über organisatorische oder inhaltliche Aspekte der Ausbildung. Laut der Befragung ist die psychische Gesundheit der jungen Menschen ein zentrales Thema, das weiterer Untersuchungen bedarf.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
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Was bedeutet das für berufliche Schulen?
Für berufliche Schulen verdeutlicht die Umfrage, wie wichtig eine fundierte Berufsorientierung, individuelle Beratung und praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder sind, um Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung zu unterstützen. Gleichzeitig wird ihre zentrale Rolle im Ausbildungssystem deutlich: Gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben tragen berufliche Schulen wesentlich dazu bei, dass Auszubildende ihre Ausbildung positiv erleben und sich gut auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet fühlen. Darüber hinaus zeigt die Befragung, dass Themen wie mentale Gesundheit, individuelle Begleitung und gelingende Übergänge künftig noch stärker in den Blick genommen werden sollten.
Mehr Informationen zu den Ergebnissen finden Sie in der Umfrage.
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