IHK Berlin: Duale Berufsausbildung braucht ein Update

Ein neues Positionspapier der IHK Berlin zeigt auf, welche Modernisierungsschritte notwendig sind, um die duale Ausbildung zukunftsfähig zu gestalten.
Tisch mit einem Stapel Holzwürfel, auf denen Symbole aus dem Bereich Lernen abgebildet sind. Im Hintergrund ein Anzugträger, der mit seiner Hand die Würfel stapelt. Viele blaue und weiße Pfeile zeigen im Bild nach oben

Die Anforderungen an Auszubildende, Betriebe und Schulen steigen stetig und das System gerät zunehmend unter Druck. Die IHK reagiert darauf mit konkreten Reformvorschlägen, die sie in einem Positionspapier darlegt, gestützt auf umfangreiche Befragungen von mehr als 400 Auszubildenden und Unternehmen in Berlin.

Breit geführte Debatte: Ausbildung 2.0

Die Reformvorschläge wurden im Rahmen der Podiumsdiskussion „Ausbildung 2.0“ diskutiert, die sich mit aktuellen Herausforderungen – vom Fachkräftebedarf bis zur digitalen Transformation – an Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung richtete. Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch sprach sich dabei ausdrücklich für eine Modernisierung des Ausbildungssystems und für stärkere Lernortkooperationen aus. Der IHK-Präsident Sebastian Stietzel betonte, dass die duale Ausbildung ein Erfolgsmodell sei, aber ein Update brauche, um mit der Transformation des Arbeitsmarkts Schritt zu halten und künftig wichtige Kompetenzen zu vermitteln. Bei der Diskussion wurde deutlich, dass eine Weiterentwicklung der beruflichen Bildung nur durch das gemeinsame Engagement aller beteiligten Akteure möglich ist. 

Was sich die Befragten wünschen

Die Ergebnisse der zugrunde liegenden Befragungen zeigen ein klares Bild:

  • 90 Prozent der Unternehmen wünschen sich eine intensivere inhaltliche Zusammenarbeit mit den Berufsschulen.
  • Fast 90 Prozent der Auszubildenden fordern eine bessere Abstimmung zwischen schulischen Inhalten und betrieblicher Praxis.
  • 76 Prozent der Auszubildenden erwarten mehr Gestaltungsfreiheit in ihrer Ausbildung.

     

Das Positionspapier greift diese Erwartungen auf und formuliert drei zentrale Handlungsfelder: eine stärkere Lernortkooperation, flexiblere Ausbildungsmodelle sowie eine höhere Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

1. Lernortkooperation stärken und Digitalisierung nutzen

Obwohl die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben im Berufsbildungsgesetz (BBiG) gesetzlich verankert ist, ist die inhaltliche Kollaboration noch ausbaufähig. Auszubildende und Unternehmen wünschen sich eine echte Verzahnung der Ausbildungsinhalte.

Die IHK Berlin schlägt in ihrem Positionspapier folgendes vor:

  • Aufbau von verbindlichen Strukturen für regelmäßige Abstimmungsformate zwischen Schulen und Betrieben
  • Integration betrieblicher Expertise in den Unterricht, etwa durch projektorientierte Formate
  • Entwicklung einer bundesweiten digitalen Plattform, die Lernmaterialien, Praxisbeispiele und Lernfortschritte bündelt und eine moderne Lernortkooperation erleichtert

     

Die Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle, um Lernprozesse transparenter und Verbindungspunkte zwischen Betrieb und Schule stärker sichtbar zu machen. 

2. Ausbildungsstrukturen flexibilisieren und modernisieren

Das zweite Reformfeld zielt auf mehr Flexibilität in der Ausbildungsorganisation. Die Modernisierung von Ausbildungsordnungen erfolgt bislang häufig zu langsam, sodass neue Anforderungen das System verspätet erreichen.

Die IHK Berlin schlägt daher ein modulares Ausbildungsmodell vor, das auf drei Stufen des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) aufbaut.

  • Basisqualifizierung (DQR-Niveau 2)
  • Aufbaumodule (DQR-Niveau 3)
  • Spezialisierungsmodule (DQR-Niveau 4)

     

Ein modulares Ausbildungsmodell bietet mehrere Vorteile: Es ermöglicht individuelle und beschleunigte Lernwege und kann Ausbildungsabbrüche reduzieren, da Zwischenabschlüsse angerechnet werden können. Zudem lassen sich Inhalte zielgerichteter und schneller aktualisieren, und die Anschlussfähigkeit an unterschiedliche Bildungsbiografien steigt deutlich. Begleitend empfiehlt das Positionspapier einen Automatismus zur regelmäßigen Überarbeitung von Ausbildungsinhalten im Fünfjahresrhythmus sowie die Digitalisierung von Prüfungsformaten.

3. Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit stärken

Berufliche und akademische Abschlüsse werden trotz gleicher Qualifikationsniveaus im Deutschen Qualifikationsrahmen noch immer unterschiedlich bewertet. Härtefallbeispiele zeigen Unterschiede bei tariflicher Eingruppierung, Karrierewegen oder öffentlichem Dienst. 

Um hier echte Durchlässigkeit zu erreichen, fordert die IHK Berlin:

  • Ein bundesweit einheitliches, kompetenzbasiertes Anerkennungssystem
  • Ein Leistungspunktesystem für die berufliche Bildung nach dem Vorbild des Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS)
  • Standardisierte Anrechnung von Leistungen zwischen Ausbildung, Studium und Weiterbildung
  • Ein digitales, KI-gestütztes Bildungskonto, das individuelle Kompetenzen dokumentiert und Bildungswege transparenter macht

     

Das ausführliche Positionspapier der IHK Berlin über die Modernisierung der dualen Ausbildung finden Sie hier

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HubbS-Redaktion
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