Handy in der Berufsschule – Chance oder Problem?

Am Stand des Berufsschullehrerverbands Baden-Württemberg (BLV) spricht Simone Dietsche über ihre Erfahrungen als Technik-Lehrerin an einer beruflichen Schule: Schüler wollen tätig sein und produzieren. Daher solle man digitale Medien in den Unterricht mit einbeziehen und sie Künstliche Intelligenz ausprobieren lassen. Sie empfiehlt dafür zum Beispiel den Ecosia Chat.
Einen großen Raum ihres Vortrags nehmen aber auch die Herausforderungen der Handynutzung ein. Als Lehrkraft habe man gegen die Anziehungskraft der Geräte keine Chance. Der digitale Freundeskreis sei für die Schüler immer dabei. Außerdem laufen einige Spiele in Echtzeit und bauen durch psychologische Tricks Abhängigkeit auf. Simone Dietsche benennt drei wesentliche Problematiken der Handynutzung:
- Fear of Missing out: die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen
- Casino-Effekt: die Vorahnung zur Wichtigkeit einer Nachricht
- Sägezahn-Effekt: die Ablenkung durch den Blick aufs Handy führt zu einem starken Abfall der Konzentration
Eine Paderborner Studie zur Auswirkung von Smartphones auf die Aufmerksamkeit hat nachgewiesen, dass Menschen ohne Smartphones eine höhere Aufmerksamkeit haben. Doch die Jugendlichen in der Berufsschule sind eigentlich zu alt, um ihnen das Handy wegzunehmen. Daher empfiehlt Simone Dietsche einen gestaffelten Ansatz: Phasen, in denen das Handy weg ist (im Sinne von aus dem Sichtfeld, besser noch aus dem Raum), und Phasen, in denen es im Unterricht genutzt wird. Sie habe gute Erfahrungen damit gemacht, dass die Schülerinnen und Schüler sich Regeln durch Selbstreflexion aufstellen. So habe sie zum Beispiel die Schüler prüfen lassen, wie oft sie ihr Handy entsperren und viel Bildschirmzeit sie verbrauchen. Bei TikTok Wrapped könne man sehen, wie viele Stunden Videos man angeschaut hat. Bei den meisten Jugendlichen kommt heraus, dass das Handy ein sehr großer Zeitdieb ist. Ein Schüler hat die App von seinem Smartphone gelöscht, weil bei der Prüfung herauskam, dass er in seiner Nutzungszeit auch eine neue Sprache hätte erlernen können.
Durch die Arbeit mit den Geräten, die eine große Bedeutung im Leben der Jugendlichen haben, können auch Probleme wie Glücksspielsucht sichtbar werden, die man sonst als Lehrkraft gar nicht mitbekomme. Daher ist Kommunikation mit den Jugendlichen für Simone Dietsche der Schlüssel zum Erfolg im Umgang mit den Jugendlichen.
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum zeigt, dass die Geräte für alle Lehrkräfte eine große Herausforderung darstellen und dass guter Unterricht zumindest phasenweise die Abwesenheit der Geräte braucht. Eine Lehrerin hat gute Erfahrungen mit einem hölzernen „Handy-Hotel“ gemacht, in das die Handys für die Zeit des Unterrichts auf Urlaub geschickt werden. Einige Schüler, die das zunächst nicht gut gefunden haben, hätten sich am Ende des Schuljahres sogar dafür bei ihr bedankt.
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